Ein Gemeindezentrum für Wallinghausen entsteht

Beitragsseiten

(Ostfriesische Nachrichten vom 16. Januar 1967)
Ein Gemeindezentrum für Wallinghausen entsteht

Kirchturm wurde eingeweiht / Der Schwan auf dem Dach / Glocken läuten dreimal täglich

v. Oe. WALLINGHAUSEN. Kürzlich besuchten wir Pastor S t i c k a n in Wallinghausen, um uns über den Neubau der Wallinghausener Kirche zu informieren, die voraussichtlich Pfingsten ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Kürzlich war schon der neue, etwas über 25 Meter hohe Glockenturm mit dem Dreiklangsgeläut fis - h - cis eingeweiht worden. Das Geläut hat ein Gewicht von 1500 kg und arbeitet automatisch. Die Tagesglocke meldet sieh um 8, um 12 und um 18 Uhr. Mit. der Kirche in Wallinghausen, die neben dem vor einigen Jahren gebauten Gemeindehaus steht, entsteht. für etwa 4 000 Menschen der Gemeinden Popens, Egels und Wallinghausen ein kirchliches Gemeindezentrum


Die augenblickliche Zuwegung zu dem Zentrum ist sehr schlecht, doch soll sie gepflastert werden. Gemeindehaus, Kirche und Turm schaffen durch ihre Stellung zueinander einen recht großen Hof, so daß später, so hofft Stickan, bei gutem Wetter im Freien der Gottesdienst stattfinden kann.
Die Ausmaße der Kirche, die etwa 400000 Mark kostet, werden recht beachtlich sein, nämlich 26 Meter lang, zehn Meter breit und im Innengiebel zehn Meter hoch. Die Innendecke wurde mit Holz verkleidet, das miteiner durchsichtigen Masse gestrichen wurde, so daß man die Holzmaserung sehen kann.

Die Kirche hat zur Friedhofsseite hohe große Fenster die vom Kunstglaser Garpinski aus Varel geschaffen wurden, der auch die winzigen bunten Fenster zur Straßenseite herstellte. Diese Fenster wurden so klein gehalten, damit sich der Verkehrslärm auf der Straße nicht störend auf den Gottesdienst auswirken kann. Doch geben die großen Fenster am Tage genügend Licht. Außerdem sollen zylinderförmige Hängelampen angebracht werden sowie Wandbeleuchtungen.
Der Fußboden der Kirche wird mit Platten ausgelegt, während unter den Bänken Gußasphalt verwendet werden soll. Demnächst wird eine Probebank aufgestellt, um nach dem Modell die Bestuhlung der Kirche zu bauen. Eine Warmluftheizung wird für eine immer warme Kirche sorgen. Die Schächte, aus denen die warme Luft kommt, sind im Altartraum, so daß der Kirchgänger nicht über einem Schacht zu "braten" braucht.

Der einzige wirkliche Schmuck der Kirche ist das große Altarfenster, das von dem Stuttgarter Kunstglaser Elmar Lindner entworfen wurde. Es enthält ein Motiv aus einem Lied von Philipp Nikolai, in dem es in einer Strophe heißt: "Vom himmlischen Jerusalem von 12 Perlen sind die Tore deiner Stadt" Dieses wurde in dem Fenster abstrakt verbildlicht.

Ein zwei Meter großes Kreuz aus vergoldetem Metall wird die Rückwand des Altarraums zieren. Die Kreuzenden des Kruzifixes sind strahlenförmig ausgebildet als Hinweis auf den erhöhten Christus im Doppelsinn des Johannesevangeliums. Der Standort der Kanzel wurde noch nicht festgelegt, doch sollte sie nach Pastor Stickans Meinung auf die rechte Seite kommen, wo sie recht erhöht stehen müßte, damit die Gemeindemitglieder die auf der Empore sitzen, auch sehen können. Auf der Empore ist sehr viel Platz, so daß sie leicht ansteigend gebaut werden müßte.

Dort soll auch die Elektronenorgel mit sieben Registern im Manual und zwei Registern im Pedal in der Achse der Kirche nahe der Brüstung aufgestellt werden. Der Kirchenvorstand will sich als Übergangslösung mit der Elektronenorgel begnügen, weil die Lieferfrist für eine richtige Orgel mindestens fünf Jahre beträgt und die Kosten erheblich gestiegen sind. Augenblicklich steht, die Elektronenorgel im Gemeindesaal, wo mit ihr der dort stattfindende Gottesdienst gestaltet wird.

Viele Bürger der Gemeinde wundern sich, daß auf dem Kirchturm ein Wetterschwan angebracht ist anstelle des, bekannten Wetterhahnes. Der Schwan, so erklärte Pastor Stickan, war in den griechischen Göttersagen das Zeichen des Apoll, des Gottes der Weissagung. Von hier aus taucht der Schwan im ältesten christlichen Schrifttum als Symbol der Prophetie auf. Luther hat vom Schwan als Zeichen der echten Kirche gesprochen. Er sagte: "Die Kirche gleicht darin dem Schwan, daß sie wie er breitfüßig ist, daß heißt, auf einer festen und starken Grundlage ruht, die nicht einmal von den Pforten der Hölle zerstört werden kann. Sie lebt außerdem wie er an Seen und Sümpfen, in den Niederungen. Das heißt, sie trachtet nicht nach Weltherrschaft, noch nach Zugang zu stolzen Königen, sondern hat ohne Aufhören harte Schicksalsschläge zu erdulden«. Außerdem soll Luther von Johann Hus als (Hus bedeutet auf böhmisch Gans) von der verbrannten Gans esprochen haben, die bald in der Gestalt des Schwans wieder erstehen werde. In Westeuropa gibt es eine Abbildung aus dem Jahre 1694, auf der Luther mit einem Schwan und Hus mit einer Gans zu sehen sind. Der Hahn auf den Kirchtürmen dagegen sei das Symbol der Nacht, in der Petrus den Herrn verriet. Deshalb findet, man ihn auf, den verschiedensten Kirchen anderer Glaubensrichtungen. während der Schwan ein speziell lutherisches Symbol ist.

Architekt der Wallinghausener Kirche ist Bernd Hillrichs aus Loga. Besonders erwähnenswert ist die gute Akustik in der jetzt noch mit Baugeräten und Schutt gefüllten Kirche. Wenn das Gestühl aufgestellt ist, wird sich die Akustik noch ein wenig ändern wie sie sich auch durch die Verschalung der Decke verbessert hat. Für die Kirchengemeinde, die jahrelang ihre Gottesdienste in der Schule abhalten mußte, dann in das Gemeindehaus umzog, wird die Einweihung der neuen Kirche ein großer Tag werden, mit dem ein neuer Abschnitt in der Kirchengeschichte dieses Ortes beginnt. (Ostfriesische Nachrichten vom 16. Mai 1967)